Dyskalkulie und Mathematikprobleme: Woran erkennt man eine Rechenstörung?

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Dyskalkulie und Mathematikprobleme: Woran erkennt man eine Rechenstörung?

Die Fähigkeit, mit Zahlen umzugehen, scheint für viele Menschen eine Selbstverständlichkeit. Doch hinter scheinbar einfachen mathematischen Aufgaben verbirgt sich für Millionen von Betroffenen eine immense Herausforderung. Eine Rechenstörung, auch Dyskalkulie genannt, ist weit mehr als nur eine allgemeine Schwäche in Mathematik. Sie stellt eine spezifische Beeinträchtigung der Rechenfertigkeit dar, die tiefgreifende Auswirkungen auf schulische Leistungen, den Alltag und das Selbstwertgefühl haben kann. Viele Eltern, Lehrkräfte und auch Betroffene selbst fragen sich: Woran erkennt man eine Rechenstörung wirklich? Dieser Artikel beleuchtet die vielschichtigen Aspekte der Dyskalkulie und gibt Ihnen praktische Werkzeuge an die Hand, um Anzeichen frühzeitig zu erkennen und wirkungsvolle Unterstützung zu ermöglichen.

Die Unsichtbarkeit der Dyskalkulie

Ein grundlegendes Problem bei der Identifizierung von Dyskalkulie ist ihre oft unauffällige Natur. Anders als beispielsweise eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie), die sich durch sichtbare Fehler im geschriebenen Wort offenbart, sind die Schwierigkeiten bei Dyskalkulie weniger augenfällig. Sie äußern sich primär in der kognitiven Verarbeitung mathematischer Konzepte. Eine fehlende oder verspätete Diagnose kann dazu führen, dass Betroffene fälschlicherweise als faul, unkonzentriert oder generell leistungsschwach abgestempelt werden. Dies verstärkt Frustration und Demotivation und kann zu einer negativen Spirale führen, die das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten nachhaltig erschüttert.

Ursachen und Hintergründe von Dyskalkulie

Die Forschung zur Dyskalkulie ist komplex und noch nicht abschließend. Aktuell geht man von einem multifaktoriellen Geschehen aus, bei dem verschiedene Faktoren zusammenspielen.

Genetische Prädisposition

Studien deuten darauf hin, dass es eine genetische Komponente bei der Entstehung von Dyskalkulie geben kann. Wenn in der Familie bereits Fälle von Dyskalkulie oder anderen Lernschwierigkeiten bekannt sind, kann das Risiko für Betroffene erhöht sein. Diese genetischen Einflüsse betreffen wahrscheinlich die Entwicklung und Vernetzung jener Hirnareale, die für die Verarbeitung von Zahlen und mathematischen Operationen zuständig sind.

Neurobiologische Grundlagen

Auf neurobiologischer Ebene werden Unterschiede in der Struktur und Funktion bestimmter Hirnregionen bei Menschen mit Dyskalkulie beobachtet. Insbesondere das parietale und frontale Kortex spielen eine entscheidende Rolle bei der numerischen Kognition. Ungleichheiten in der neuronalen Aktivität oder der Vernetzung dieser Areale können die Verarbeitung von Mengen, das Verständnis von Zahlenräumen und die Durchführung arithmetischer Operationen beeinträchtigen.

Entwicklungsbedingte Faktoren

Auch Beeinträchtigungen während der frühen kognitiven Entwicklung können eine Rolle spielen. Dazu gehören beispielsweise mangelnde frühe Erfahrungen mit Zahlen und Mengen, aber auch Beeinträchtigungen der Arbeitsgedächtnisfähigkeiten, die für das Halten und Manipulieren von Zahlen während einer Berechnung unerlässlich sind.

Umweltbedingte Einflüsse

Während die Kernursachen oft im neurobiologischen Bereich liegen, können auch umweltbedingte Faktoren die Ausprägung und den Umgang mit Dyskalkulie beeinflussen. Dazu zählen die Qualität der mathematischen Förderung in der Schule und zu Hause, aber auch der Umgang von Bezugspersonen mit den Schwierigkeiten des Kindes. Ein unterstützendes Umfeld kann helfen, die negativen Auswirkungen zu mildern, während ein ständiger Druck und mangelndes Verständnis die Probleme verschärfen können.

Frühe Anzeichen: Ein Blick auf das Vorschul- und Grundschulalter

Die Erkennung von Dyskalkulie ist besonders im frühen Kindesalter entscheidend. Je früher Unterstützung einsetzt, desto besser sind die Chancen, langfristige negative Auswirkungen zu minimieren.

Vorschulalter: Was Eltern und Erzieher beobachten können

Bereits im Vorschulalter lassen sich subtile Hinweise auf mögliche Schwierigkeiten im Bereich der Zahlenwahrnehmung erkennen.

  • Schwierigkeiten mit Mengenverständnis: Das Kind tut sich schwer, kleine Mengen zu erfassen, z.B. wie viele Spielzeuge auf dem Tisch liegen oder wie viele Kekse es noch gibt. Das Zählen von Objekten kann mühsam und ungenau sein.
  • Probleme beim Erkennen von Ziffern: Das Identifizieren von Ziffern (z.B. „Das ist eine 3“) kann über das altersübliche Maß hinaus verzögert sein oder gänzlich fehlen.
  • Kein intuitives Verständnis von Zahlen: Das Kind versteht nicht, dass eine größere Zahl mehr Objekte repräsentiert. Das Konzept „mehr“ und „weniger“ ist abstrakt und schwer greifbar.
  • Verwechslung von ähnlichen Ziffern: Ähnlich wie bei der Lese-Rechtschreib-Schwäche, bei der Buchstaben verwechselt werden, können bei Dyskalkulie Ziffern wie die 6 und die 9 oder die 3 und die 8 verwechselt werden. Dies ist über das erste Lernstadium hinaus auffällig.
  • Schwierigkeiten mit der Reihenfolge von Zahlen: Das korrekte Aufsagen der Zahlenreihe (eins, zwei, drei…) kann mühsam sein, mit Auslassungen oder falschen Reihenfolgen, die über das übliche Lallen und Stottern im Lernprozess hinausgehen.

Grundschulalter: Die ersten Schuljahre als Gradmesser

Mit dem Eintritt in die Grundschule und der Einführung formaler mathematischer Konzepte werden die Schwierigkeiten bei Kindern mit Dyskalkulie oft deutlicher.

  • Langsame Entwicklung der Zählfertigkeiten: Das Kind zählt möglicherweise immer noch langsam und mit den Fingern, auch wenn Mitschüler diesen Schritt bereits überwunden haben. Das Zählen rückwärts oder das Zählen ab einer bestimmten Zahl sind besonders herausfordernd.
  • Schwierigkeiten beim Stellenwertsystem: Das Verständnis, dass eine Ziffer je nach Position einen unterschiedlichen Wert hat (z.B. die „2“ in 23 steht für Zwanzig, nicht nur für Zwei), bereitet große Probleme. Das Aufschlüsseln von Zahlen in Zehner und Einer ist eine Hürde.
  • Mangelndes Verständnis grundlegender mathematischer Operationen: Addition und Subtraktion werden oft nicht als Umkehrungen voneinander verstanden. Die Konzepte bleiben abstrakt, und das Kind kann sich nur auf auswendig gelernte Algorithmen verlassen, ohne sie wirklich zu begreifen.
  • Häufige Fehler bei einfachen Rechenaufgaben: Selbst bei sehr einfachen Aufgaben wie 2 + 3 oder 5 – 1 macht das Kind regelmäßig Fehler, die über ein normales Maß hinausgehen.
  • Probleme mit dem Einsatz von Hilfsmitteln: Das Kind hat Schwierigkeiten, auch einfache Hilfsmittel wie den Zahlenstrahl oder eine Zwölfertafel korrekt zu nutzen.
  • Angst vor Matheaufgaben und Verweigerung: Eine zunehmende Angst und Abneigung gegenüber Mathematik können sich entwickeln. Aufgaben werden herausgezögert, oder das Kind weigert sich, sie zu bearbeiten.
  • Schwierigkeiten beim Umrechnen von Einheiten: Das Umrechnen von Metern in Zentimeter oder von Kilogramm in Gramm ist eine komplexe Aufgabe, die für Kinder mit Dyskalkulie oft unüberwindbar scheint.

Die Rolle von Lehrkräften und Eltern bei der Früherkennung

Lehrkräfte in Grundschulen spielen eine Schlüsselrolle bei der Erkennung von Dyskalkulie. Sie beobachten die Lernfortschritte aller Schüler und können Abweichungen von der Norm erkennen. Ein offener Austausch zwischen Lehrkräften und Eltern ist daher unerlässlich.

Expertenmeinung: „Lehrkräfte sind oft die ersten, die subtile Schwierigkeiten im mathematischen Verständnis bemerken. Ihre Beobachtungen sind wertvoll, sollten aber immer durch weitere diagnostische Schritte untermauert werden“, so Dr. Anna Müller, Lerntherapeutin spezialisiert auf Rechenstörungen.

Eltern können die schulischen Leistungen ihres Kindes ergänzen, indem sie auf Auffälligkeiten im Alltag achten, wie z.B. Schwierigkeiten beim Umgang mit Geld, beim Einschätzen von Distanzen oder beim Lesen von Uhren.

Diagnose und Differenzialdiagnose: Wann liegt eine Rechenstörung vor?

Die Diagnose Dyskalkulie ist ein Prozess, der sorgfältige Prüfung und Abgrenzung von anderen Problemen erfordert.

Kriterien für die Diagnose einer Dyskalkulie

Eine gesicherte Diagnose von Dyskalkulie stützt sich auf mehrere Kernkriterien:

  • Deutliche Diskrepanz zwischen Intelligenz und Rechenleistung: Die allgemeine Intelligenz des Kindes (gemessen durch standardisierte Tests) liegt im durchschnittlichen oder überdurchschnittlichen Bereich, während seine mathematischen Fähigkeiten signifikant darunter liegen. Dies schließt eine allgemeine geistige Behinderung aus.
  • Keine erklärende Ursache durch andere Faktoren: Die Rechenschwierigkeiten können nicht primär durch visuelle oder auditive Beeinträchtigungen, eine mangelnde Beschulung, grobe Erziehungsfehler oder eine unerkannte neurologische Störung erklärt werden.
  • Anhaltende Schwierigkeiten: Die Rechenprobleme sind hartnäckig und bestehen trotz angemessener Förderung über einen längeren Zeitraum fort.
  • Beeinträchtigung in mindestens einem der folgenden Bereiche:
  • Numerische Mengenauffassung: Das Verständnis von Anzahlen, Größen und Beziehungen zwischen Mengen.
  • Numerisches Abrufen: Das schnelle und automatische Erinnern an Fakten (z.B. kleine Einmaleinsreihen).
  • Numerische Prozeduren: Das korrekte Ausführen von Rechenschritten (z.B. schriftliche Addition).
  • Numerisches Urteilsvermögen: Das schnelle und korrekte Einschätzen von Ergebnissen.

Differenzialdiagnose: Abgrenzung von anderen Herausforderungen

Es ist wichtig, Dyskalkulie von anderen Bedingungen abzugrenzen, die ebenfalls zu Schwierigkeiten in Mathematik führen können.

  • Allgemeine Lernschwierigkeiten: Manchmal sind die mathematischen Probleme eines Kindes Teil einer breiteren Lernschwäche, die auch andere Bereiche betrifft. Eine umfassende Diagnostik kann hier Klarheit schaffen.
  • Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie): Kinder mit Legasthenie können Probleme haben, Zahlen und mathematische Symbole zu lesen oder Textaufgaben zu verstehen, was ihre Rechenleistung beeinträchtigt.
  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS): Unaufmerksamkeit und Impulsivität bei ADHS können zu Flüchtigkeitsfehlern, Schwierigkeiten bei der Konzentration auf Rechenschritte und einem Mangel an Ausdauer führen.
  • Ängste vor Mathematik: Manche Kinder entwickeln aus negativen Erfahrungen eine starke Angst vor Mathematik, die ihre Leistung blockiert, auch wenn die zugrundeliegenden Fähigkeiten vorhanden sind.
  • Sprachliche oder kognitive Defizite: Schwierigkeiten mit dem Sprachverständnis oder einem eingeschränkten Arbeitsgedächtnis können die Bearbeitung von Textaufgaben oder die Verfolgung komplexer Rechenanweisungen erschweren.

Diagnostische Verfahren: Was erwartet Sie?

Die Diagnose von Dyskalkulie wird in der Regel von spezialisierten Fachleuten wie Schulpsychologen, Kinder- und Jugendpsychotherapeuten oder speziell ausgebildeten Lerntherapeuten durchgeführt.

  • Anamnese: Ein ausführliches Gespräch mit den Eltern und dem Kind über die Entwicklung, schulische Leistungen und bisherige Schwierigkeiten.
  • Intelligenztestung: Überprüfung der allgemeinen kognitiven Fähigkeiten, um eine mögliche geistige Behinderung auszuschließen.
  • Spezifische Dyskalkulie-Tests: Standardisierte Tests, die gezielt die verschiedenen Teilbereiche der mathematischen Fähigkeiten erfassen (Zahlenverständnis, Rechenfertigkeiten, räumliches Vorstellungsvermögen im mathematischen Kontext). Beispiele hierfür sind die Wiener Rechenprobe, der DEMAT (Diagnostik und Evaluation mathematischer Fertigkeiten) oder der ZAREKI-R (Zähle, Rechne, Entschlüssele – Rechenstörung).
  • Beobachtung im schulischen Umfeld: Einbeziehung von schulischen Arbeiten und Beobachtungen der Lehrkräfte.
  • Ausschluss anderer Ursachen: Gegebenenfalls weitere Untersuchungen durch Ärzte oder andere Spezialisten, um sensorische, neurologische oder psychische Ursachen auszuschließen.

Die Symptome im Erwachsenenalter: Unentdeckt und belastend

Dyskalkulie verschwindet nicht mit dem Schulabschluss. Viele Erwachsene leben unentdeckt mit ihrer Rechenstörung, was ihren Alltag erheblich erschwert.

Alltägliche Herausforderungen für Erwachsene mit Dyskalkulie

  • Umgang mit Geld: Das genaue Berechnen von Wechselgeld, das Budgetieren von Einkäufen oder das Verständnis von Zinssätzen und Kreditangeboten sind oft problematisch. Die Angst, falsch berechnet oder betrogen zu werden, ist groß.
  • Zeitmessung und -management: Das Ablesen der Uhr, das Planen von Terminen, das Einschätzen von Fahrzeiten oder das richtige Einhalten von Kochzeiten kann schwierig sein.
  • Raumorientierung und Navigation: Das Einschätzen von Distanzen, das Lesen von Stadtplänen oder das Verstehen von Entfernungsangaben kann eine Herausforderung darstellen.
  • Haushaltsführung: Das korrekte Abmessen von Zutaten beim Kochen oder Backen, das Verstehen von Bedienungsanleitungen mit Mengenangaben oder das Kalkulieren von Kosten für größere Anschaffungen sind oft mühsam.
  • Berufliche Einschränkungen: Bestimmte Berufe, die einen sicheren Umgang mit Zahlen erfordern (z.B. Buchhaltung, Handwerk mit Aufmaß, technische Berufe), können für Menschen mit Dyskalkulie schwer zugänglich sein. Auch im Arbeitsalltag können kleinere Berechnungen oder das Lesen von Statistiken zu Problemen führen.
  • Soziale Isolation: Die ständige Angst vor Fehlern im Umgang mit Zahlen kann dazu führen, dass Betroffene soziale Situationen meiden, die damit verbunden sind, z.B. Restaurantbesuche, bei denen das Teilen von Rechnungen ansteht.
  • Geringes Selbstwertgefühl: Jahrelange Erfahrungen des Scheiterns und der Nicht-Anerkennung können zu einem tiefsitzenden Gefühl der Unzulänglichkeit führen.

Was können Erwachsene tun?

Auch im Erwachsenenalter ist eine Diagnose und gezielte Unterstützung möglich.

  • Professionelle Diagnostik: Die Suche nach einem spezialisierten Therapeuten oder Psychologen, der Erfahrung mit erwachsener Dyskalkulie hat.
  • Strategien entwickeln: Erlernen von Kompensationsstrategien, wie z.B. die Nutzung von Taschenrechnern, Apps zur Finanzverwaltung oder das Führen von detaillierten Listen.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann entlastend wirken und praktische Tipps liefern.
  • Bewusstsein schaffen: Sich selbst und das eigene Umfeld über Dyskalkulie aufzuklären, kann Druck abbauen und Verständnis fördern.

Hilfe und Unterstützung: Wege aus der Schwierigkeit

Die gute Nachricht ist, dass Dyskalkulie kein unüberwindbares Hindernis sein muss. Mit der richtigen Unterstützung können Betroffene lernen, ihre Schwierigkeiten zu bewältigen und ihre mathematischen Fähigkeiten zu verbessern.

Individuelle Lerntherapie

Die Lerntherapie ist ein zentraler Pfeiler der Unterstützung bei Dyskalkulie. Sie zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  • Individualisierung: Die Inhalte und Methoden werden auf die spezifischen Bedürfnisse und Schwierigkeiten des Kindes oder Erwachsenen zugeschnitten.
  • Ganzheitlicher Ansatz: Die Therapie berücksichtigt nicht nur die rein mathematischen Defizite, sondern auch die emotionalen und motivationalen Aspekte. Ängste werden abgebaut und das Selbstvertrauen gestärkt.
  • Methodische Vielfalt: Einsatz von spielerischen Elementen, visuellen Hilfen, konkreten Materialien und lebensnahen Beispielen, um abstrakte mathematische Konzepte greifbar zu machen.
  • Langfristigkeit: Lerntherapie ist oft ein Prozess, der Zeit und Geduld erfordert, aber zu nachhaltigen Erfolgen führt.

Beispiele für therapeutische Ansätze:

  • Konkretes Material: Nutzung von Zählsteinen, Bauklötzen oder anderen Objekten, um Mengen und Operationen zu veranschaulichen.
  • Visuelle Hilfen: Einsatz von Zahlenstrahlen, Plänen, Diagrammen und Farben, um Strukturen und Zusammenhänge darzustellen.
  • Bewegungsspiele: Integration von Bewegungen in mathematische Übungen, um das Lernen zu aktivieren und das Körpergedächtnis einzubinden.
  • Alltagsbezug: Üben von mathematischen Problemen anhand von realen Situationen wie Einkaufen, Kochen oder Planen von Ausflügen.
  • Förderung der Metakognition: Die Lernenden werden angeleitet, über ihr eigenes Denken nachzudenken und Strategien zu entwickeln, wie sie mathematische Probleme angehen können.

Schulische Nachteilsausgleich und Fördermaßnahmen

Im schulischen Kontext können verschiedene Maßnahmen helfen, Dyskalkulie-Betroffene zu unterstützen:

  • Nachteilsausgleich: Dies kann die Gewährung von mehr Zeit bei Klassenarbeiten und Prüfungen, die Erlaubnis zur Nutzung eines Taschenrechners oder das Erstellen von individuellen Hilfsmitteln umfassen. Wichtig ist, dass der Nachteilsausgleich nicht die Leistung herabsetzt, sondern faire Bedingungen schafft.
  • Individuelle Förderpläne: Gemeinsam mit den Eltern und dem Kind erstellte Pläne, die spezifische Lernziele und Fördermaßnahmen festlegen.
  • Sensibilisierung der Lehrkräfte: Fortbildungen für Lehrpersonal, um das Bewusstsein für Dyskalkulie zu schärfen und sie für die Erkennung und den Umgang mit betroffenen Schülern zu sensibilisieren.
  • Kleine Lerngruppen: Wenn möglich, die Beschulung in kleineren Klassen oder Lerngruppen, um eine intensivere Betreuung zu ermöglichen.

Elterliche Unterstützung und Umgang mit der Dyskalkulie

Die Rolle der Eltern ist entscheidend für das Wohlbefinden und den Lernfortschritt eines Kindes mit Dyskalkulie.

  • Geduld und Verständnis: Eine Haltung der Geduld und des Verständnisses ist unerlässlich. Vermeiden Sie Druck und Kritik.
  • Positive Verstärkung: Loben Sie Anstrengung und kleine Erfolge. Konzentrieren Sie sich auf das, was das Kind schon kann.
  • Alltagsmathematik integrieren: Nutzen Sie alltägliche Situationen, um spielerisch mit Zahlen und Mengen zu arbeiten. Zählen Sie beim Einkaufen, teilen Sie Spielzeug gerecht auf, oder schätzen Sie gemeinsam die Anzahl von Objekten.
  • Kommunikation mit der Schule: Pflegen Sie einen regelmäßigen Austausch mit den Lehrkräften, um die Fortschritte Ihres Kindes zu besprechen und gemeinsam Lösungsstrategien zu entwickeln.
  • Informationsbeschaffung: Lesen Sie sich in das Thema Dyskalkulie ein, um die Schwierigkeiten Ihres Kindes besser zu verstehen und angemessen reagieren zu können.
  • Den Fokus verschieben: Betonen Sie die Stärken und Talente Ihres Kindes in anderen Bereichen. Dyskalkulie ist nur ein Aspekt seiner Persönlichkeit.

Zukunftsperspektiven und der Umgang mit Dyskalkulie

Dyskalkulie stellt eine Lebensaufgabe dar, die aber mit den richtigen Strategien und einer unterstützenden Umgebung gut bewältigt werden kann. Es geht nicht darum, die Dyskalkulie „wegzutherapieren“, sondern darum, Betroffenen Werkzeuge an die Hand zu geben, um ihre mathematischen Fähigkeiten zu verbessern und einen selbstbestimmten Umgang mit Zahlen zu entwickeln. Die Anerkennung und das Verständnis für diese spezifische Lernstörung wachsen stetig, was zu einer besseren Unterstützung in Schule und Gesellschaft führt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Erkennung von Dyskalkulie ein Prozess ist, der Aufmerksamkeit, Wissen und eine wohlwollende Haltung erfordert. Wenn Sie die hier genannten Anzeichen bei sich oder Ihrem Kind bemerken, zögern Sie nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein früher Beginn der Förderung kann die Lebensqualität von Menschen mit Dyskalkulie maßgeblich verbessern und ihnen ermöglichen, ihr volles Potenzial zu entfalten.

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FAQs

Was ist Dyskalkulie?

Dyskalkulie ist eine Rechenstörung, die sich in Schwierigkeiten beim Erlernen und Anwenden mathematischer Konzepte und Fertigkeiten äußert. Betroffene haben Probleme mit grundlegenden Rechenoperationen, dem Verständnis von Zahlen und dem Lösen mathematischer Probleme.

Welche Symptome deuten auf Dyskalkulie hin?

Symptome von Dyskalkulie können sich in Schwierigkeiten beim Zählen, Rechnen, Schätzen, dem Verständnis von mathematischen Symbolen und dem Zeitgefühl für mathematische Aufgaben äußern. Betroffene können auch Probleme mit dem räumlichen Vorstellungsvermögen und der Orientierung im Zahlenraum haben.

Wann sollte man eine Rechenstörung vermuten?

Eine Rechenstörung sollte in Betracht gezogen werden, wenn ein Kind trotz angemessener Förderung und Übung weiterhin große Schwierigkeiten mit mathematischen Aufgaben hat und diese Schwierigkeiten sich negativ auf den schulischen Erfolg auswirken.

Wie wird Dyskalkulie diagnostiziert?

Die Diagnose von Dyskalkulie erfolgt in der Regel durch spezialisierte Fachkräfte wie Psychologen oder Pädagogen, die standardisierte Tests und Beobachtungen durchführen, um die mathematischen Fähigkeiten des Kindes zu bewerten und eine Rechenstörung festzustellen.

Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es für Kinder mit Dyskalkulie?

Kinder mit Dyskalkulie können von speziellen Förderprogrammen, individueller Unterstützung durch Lehrkräfte und Therapeuten sowie der Verwendung von Hilfsmitteln wie Rechenbrettern oder speziellen Lernmaterialien profitieren. Es ist wichtig, frühzeitig geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um den betroffenen Kindern zu helfen, ihre mathematischen Fähigkeiten zu verbessern.